Vier Schlachtenbummler und ein Luschenblatt
Das war die Deutsche Wizard-Meisterschaft 2010 in Mainz
Da ist noch Raum für Steigerungen. Die beiden Vertreterinnen des Karlsfelder Kornelius-Spieletreffs, Ulrike Burg und Claudia Clever, erreichten bei der Deutschen Wizard-Meisterschaft am 12. Juni 2010 in Mainz den 101. und 76. Platz unter immerhin 129 Teilnehmern aus ganz Deutschland. Kleiner Trost: Mit ihrem Ergebnis konnten beide immerhin den Titelverteidiger Matthias Dassinger hinter sich lassen, der in der Schlusswertung nur auf dem 103. Platz landete. Der dritte Karlsfelder, Klaus Szoucsek, hatte auf einen Start in Mainz verzichtet.
Claudia Clever berichtet, wie sie das Turnier erlebt hat:
Freitag, 11. Juni 2010
16.30 Uhr: Abfahrt in Karlsfeld. Vor uns liegen über 400 Kilometer auf der Autobahn. Bis 21.00 Uhr bringen wir die Strecke einschließlich drei kürzeren Staus rund um Stuttgart und Karlsruhe hinter uns. Bei der Ankunft in Mainz wird uns eine Mischung aus Baustellen, Fabriken und verwinkelten Straßen präsentiert, Orientierung fast unmöglich. TomTom lotst uns zum Hotel Moguntia, wo wir Ulrike absetzen, und auch wieder raus aus der Stadt zu unserer preiswerten Unterkunft im Taunus, Familie sei Dank.
Samstag, 12. Juni 2010
8.30 Uhr: Es geht los, wir brechen ins dreißig Kilometer entfernte Mainz auf. Im Gepäck: Wasser, Obst, Traubenzucker und vier Schlachtenbummler - die größte Fangruppe, wie sich herausstellen sollte.
9.30 Uhr: Ankunft in der Alten Lokhalle, Mainz-Mombach. Das muss man erstmal finden. Wir sind rechtzeitig da und treffen mit über hundert weiteren Teilnehmern, darunter natürlich auch Ulrike, zusammen. Strategiebesprechung. Die Taktik: locker bleiben und einfach drauf losspielen.
10.00 Uhr: Anmeldung. Von der erwarteten 200 Spielern sind nur 129 nach Mainz gekommen.
10.20 Uhr: Wir werden von den Organisatoren begrüßt. Die Spielregeln werden noch mal zusammengefasst: Punktabzüge gibt's für falsches Bedienen. Wer zu spät kommt, darf noch einsteigen. Wer für eine Runde zu lange braucht, muss mit Minuspunkten rechnen. Klingt streng, aber: Disziplin muss sein. Hier geht es immerhin um die Deutsche Meisterschaft. Urplötzlich wird es laut, die Teilnehmer diskutieren über die Plus/Minus-Eins-Variante. Darf man als letzter Spieler eine Null ansagen, wenn dann die Anzahl der angesagten Stiche mit der der zu spielenden Stiche übereinstimmt? Es gibt Befürworter, andere haben davon noch nichts gehört. Letztlich wird so gespielt, auch wenn die Plus/Minus-Eins-Variante damit ad absurdum geführt wird. Dann eilen die Wettbewerber zu den Aushangtafeln, wo die Zusammensetzung der Vorrundentische angezeigt wird.
11.30 Uhr: Das erste von vier Vorrundenspielen ist zu Ende. Platz drei, naja. Das dürfte es schon gewesen sein. Wer in die Finalrunde mit den sechzehn Besten kommen will, kann sich eine solche Platzierung kaum leisten. Egal, Hauptsache lustig. Ulrike ist besser dabei. Sie gewinnt ihr erstes Spiel. Dann gehen wieder alle zur Aushangtafel. Die Listen mit den Startplätzen wurden zwischenzeitlich von den Organisatoren abgehängt. Warten, dass es weitergeht.
11.50 Uhr: Alle haben ihre neuen Plätze gefunden, nachdem die Organisatoren die Zettel endlich wieder aufgehängt haben. Spiel zwei beginnt.
12.50 Uhr: Die Tische leeren sich. Wer fertig ist, geht in die Mittagspause. An unserem Tisch steht das Ergebnis fest: wieder Platz drei. Ab jetzt geht's für mich wirklich nur noch um die goldene Ananas. Ulrike ist enttäuscht. Lospech hat sie mit drei absoluten Wizard-Cracks an einen Tisch gebracht. Platz vier nach einem harten Spiel. Damit begräbt auch sie ihre Hoffnung auf den Einzug ins Finale. Aber bange machen gilt nicht. Die beiden letzten Spiele werden noch mal mit vollem Schwung angegangen. Geschenkt wird nichts.
14.00 Uhr: Die Mittagspause ist zu Ende. Eigentlich. Ich habe auf eine Stärkung ganz verzichtet, Ulrike hat ihre Mahlzeit auf ein Minimum reduziert. Schließlich wollten wir Punktabzüge wegen Zuspätkommens vermeiden. Aber die Organisatoren ziehen ihre eigene klare Linie nicht durch. Weil rund dreißig Spieler nicht rechtzeitig aus dem benachbarten mongolischen Restaurant zurückkommen, wird die Mittagspause kurzerhand verlängert. Ärgerlich für alle, die ihre Pause pünktlich beendet haben und jetzt rund eine halbe Stunde warten müssen.
14.30 Uhr: Völlig entspannt kehren die letzten Teilnehmer in die Alte Lokhalle zurück. Ich sitze in den beiden nächsten Spielen an Tisch drei, es kann weitergehen. Am Tisch nimmt auch Manuela Wagner aus Augsburg Platz. Bayern ist stark vertreten in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Manuela hatte sich auch in Karlsfeld qualifizieren wollen, war aber nicht durchgekommen. In Augsburg war sie auf Platz fünf gelandet. Zwei Starter hatten verzichtet, damit konnte sie in Mainz antreten. Jetzt sitzt sie neben mir.
15.20 Uhr: Na also, geht doch! Platz zwei bringt immerhin dreißig Punkte für die Platzierung, Manuela wird Dritte. Jetzt geht es um die Ehre. Da ist noch was drin. Frust dagegen bei Ulrike. Ihr drittes Spiel beendet sie auf Platz drei. Die Enttäuschung ist groß, wenigstens war es eine entspannte Runde mit sympathischen Mitspielern.
15.25 Uhr: Die Liste mit den Startauslosungen ist schon wieder abgehängt worden. Das kostet alles Zeit. Ich muss nur einen Platz nach rechts rutschen, aber bis alle da sind, dauert es. So werden wir nie im Leben pünktlich fertig. Soll nicht mein Problem sein.
15.30 Uhr: Letzte Runde. Ich stehe im Wettkampf mit drei Männern. Das kann ja lustig werden...
16.10 Uhr: Der letzte Durchgang bricht an. Zwei von den Jungs habe ich abgehängt, der dritte, Volker, liegt fünfzig Punkte vor mir - 280:330. Aber mein Blatt ist die reinste Luschennummer. Ich sage null, obwohl ich weiß, dass das nicht reichen kann. Aber mehr ist einfach nicht drin. Bei Ulrike läuft es ganz anders. Eine absolut schwarze Serie von sieben falschen Ansagen in Folge bringt sie ins Minus. Im letzten Spiel sagt sie vier Stiche an.
16.12 Uhr: Ulrike hat ihre vier Stiche schon zusammen, befürchtet noch mehr. Dreißig unter Null drohen. So darf der Tag nicht zu Ende gehen. Aber die Konkurrenz ist hart. Martin Neumann hat seine ersten drei Spiele gewonnen, ist ein absoluter Titelkandidat. Und er sitzt links von Ulrike, in Führung liegend.
16.15 Uhr: Ich habe meine Null durchgebracht. Volker hat sich vertan. Um einen Stich. Ich hole dreißig Punkte auf, aber es reicht nicht. 300:320 - Platz zwei in dieser Runde. Ulrike hat ihr restliches Blatt abwerfen können, macht ihre vier Stiche und holt zum Abschluss sechzig Punkte. Minimalziel zum Abschluss erreicht: Sie liegt über der Null, trotzdem ist es nur Platz vier. Schade.
16.20 Uhr: Warten auf das Ergebnis. Zwei Spieler haben alle vier Spiele gewonnen, Martin Neumann und Ewald Jäger. Ich hole glatte hundert Wertungspunkte durch meine Platzierungen. Platz sechsundsiebzig, zusammen mit einem weiteren Teilnehmer. Ulrike kommt auf fünfundachtzig Wertungspunkte, damit ist sie Erste. Also gut: Hunderterste.
16.40 Uhr: Die Luft ist raus. Wir verlassen die Alte Lokhalle nach einem anstrengenden Turniertag, warten das Finale nicht mehr ab. Die Motivation hat spürbar nachgelassen. Ulrike hätte in der Finalrunde mehrere "alte Bekannte" getroffen. In all ihren Runden musste sie gegen spätere Finalisten antreten. So gesehen ist ihr Ergebnis doch recht beachtlich. Einen hat sie immerhin geschlagen.
16.50 Uhr: Bis morgen! Wir verabreden uns für die Abreise vor dem Hotel Moguntia.
Sonntag, 13. Juni 2010
8.35 Uhr: Abfahrt bei der Familie. TomTom führt uns sicher in die Nackstraße in Mombach zum Hotel Moguntia. Alle an Bord, auf geht's zurück nach Karlsfeld. Am dem Heimweg folgt eine Analyse der Spiele und die Aufarbeitung der Gefühlswelt während des Turniers. Unterm Strich können wir zufrieden sein. Es war unser erster Start bei einer Deutschen Wizard-Meisterschaft und ich denke, wir haben Karlsfeld und den Spieletreff würdig vertreten. Neuer Anlauf nächstes Jahr!
Carsten Clever-Rott