STONE AGE
Alea jacta est
Im Leben gibt es bestimmte "Festen", der Vampir fürchtet sich vor der Sonne, der MPaD nicht vor der freien Rede und der "Strategiespieler"? Er fürchtet sich vor dem Würfel(n). Stone Age, das neue Werk von Bernd Brunnhofer alias Michael Tummelhofer, beinhaltet nicht nur einen, sondern gleich sieben Würfel. Hat der Autor - DSP 2004 mit St. Petersburg - eine neue Zielgruppe im Visier?
Mitnichten, Stone Age ist kein "Würfelspiel". Stone Age ist - wenn man so will - eine spielerische Aufarbeitung des gleichnamigen Zeitalters, in dem der Mensch a) sich um Nahrung gekümmert hat b) sich Rohstoffe - hier Holz, Lehm, Stein und Gold, ja, Gold! - beschafft hat c) Ackerbau betrieb d) (Stein-)Werkzeuge entwickelt hat und schließlich - unsere Anwesenheit ist der beste Beweis - e) sich vermehrt hat.
Der Clan eines Spielers besteht zunächst aus fünf Mitstreitern, die reihum auf die o.g. Plätze verteilt werden - Ähnlichkeiten mit anderen "Ich setze Pöppel ein und lasse diese arbeiten-Spielen" sind nicht rein zufällig. Sind die Möglichkeiten, sich Nahrung zu verschaffen unerschöpflich, so fassen die Rohstoffplätze maximal sieben, alle anderen Orte nur einen Steinzeitmenschen. Einen Sonderstatus nimmt die Hütte ein, in der es möglich ist, sich zu reproduzieren. Dies geht naturgemäß nur zweit. Selbstverständlich hat sich der Steinzeitmensch auch um seine Behausung Gedanken gemacht. Zur Auswahl stehen in jeder Runde <Anzahl der Spieler> verschiedene Gebäude, die im Gegenwert zu den abgegeben Rohstoffen verschieden viel (Siegpunkt-)Ertrag abwerfen (f). Der letzte "Ort" (g) an dem Pöppel eingesetzt werden dürfen sind die Zivilisationskarten - unabhängig von der Spieleranzahl immer vier. Hier gilt es, gegen Abgabe von Rohstoffen Karten aus fünf verschiedenen Gebieten zu sammeln - Erfindungen, Werkzeugmacher, Hüttenbauer, Schamanen und Ackerbauern. Gehen die - verschiedenen (insgesamt gibt es 2x8)- Erfindungen quadratisch in die Siegpunktwertung ein, so finden die anderen Kategorien einen entsprechenden Faktor in der Anzahl - Werkzeugmacher: Anzahl der Werkzeuge, Ackerbauer: Anzahl des Fortschritts auf der Ackerleiste, Schamanen: Anzahl der Clanangehörigen und Hüttenbauer: Anzahl der eigenen Gebäude.
Wenn alle Pöppel gesetzt worden sind und ihre Arbeit verrichtet haben, müssen die hungrigen Mäuler gestopft werden, vgl. a), was nicht nur durch Abgabe von einer Nahrungseinheit für einen Pöppel möglich ist. Auch ein beliebiger Rohstoff kann sich - haben höhere Kräfte ihre Finger im Spiel? - in eine Nahrung verwandeln. Kann oder will dies der Spieler nicht ausführen, erleidet er, respektive sein Clan, nicht etwa Verlust durch Hungertod, er verliert "lediglich" zehn Siegpunkte. Spielraum für die so genannte "Hungerstrategie" - der geneigte Leser möge sich selbst in einschlägigen Foren eine Übersicht verschaffen.
Zurück zu den Würfeln, dem Salz oder - je nach Spielernaturell - dem Haar in der Suppe. Drei Clanmitglieder, sofern sie in den Wald geschickt werden, greifen nicht drei Einheiten Holz ab. Pro Pöppel kommt ein Würfel zum Einsatz. Die Augensumme dividiert durch die Wertigkeit des Materials - Holz: 3 - (Nahrung 2, Lehm 4, Stein 5, Gold 6) bestimmt den "Sammelerfolg", also etwa Augensumme 11, Divisor für Holz 3 macht drei (ganze) Einheiten Holz, über die der Spieler nunmehr frei - auch für den Rest des Durchgangs - verfügen kann.
Die Spieler, die nichts dem Zufall überlassen wollen (oder können), raufen sich an dieser Stelle verständnislos die Haare und flüchten. Da hilft auch nicht mehr der Hinweis, dass die Würfelsumme durch den Einsatz von Werkzeugen, vgl. d), nach oben manipuliert werden kann. Die anderen Spieler sehen im Einsatz der Würfel ein willkommenes und spielerisches(!) Element um wahlweise ihren Erfolg auf ihre ausgeklügelte Einsetz- und Kartensammelstrategie zurückzuführen, ihren Misserfolg hingegen auf das Schicksal des in diesem Spiel erlittenen Würfelpechs. In jedem Fall bieten sich bereits während des Spiels zahlreiche Gelegenheiten für - spielerischen - Ärger, auch solche für Freude, für Missgunst genauso wie für Schadenfreude, kurz das Spiel(en) macht Spaß. Und wann konnte man dies zuletzt von einem Werk sagen, das durchaus noch hinreichend viele Stellschrauben auch für die eingangs erwähnten Strategiespieler bietet.
Letztere haben "Die Säulen der Erde" zum DSP2007-Sieger erkoren. An dieser Stelle darf der Hinweis darauf nicht fehlen, dass Stone Age - infolge seiner langen Entwicklungszeit - bereits vor DSdE aus der Taufe gehoben wurde. Wenngleich Strategie-, Taktiktiefe, Glückselemente und Spielmechanismus in beiden Werken vergleichbar sind, so punktet Stone Age schon allein durch das Sammelelement deutlich höher als sein Nachfolger, will sagen Vorgänger.
Was aus allem folgt ist ein unangefochtener zweiter Platz beim DSP2008 für Stone Age. Fortuna hat es so gewollt, dass Agricola dem gleichen Spielejahrgang angehört, Ehre wem Ehre gebührt.
Stone Age von Michael Tummelhofer
D 2008 - Hans im Glück
2-4 SpielerInnen ab 10 J., 60 min
Wertung: 5
Bruno