METROPOLYS
Ystari yst wyeder obenauf
Viel wurde über das Caylus-Prinzip geschrieben. Man setze Klötzchen o.ä. auf einen Spielplan, ergattere Würfelchen, wandle diese um in andere Klötzchen oder gar Siegpunkte und fertig ist das anspruchsvolle Spiel. Nun, dieses Prinzip ist nicht neu. Neu daran ist allein, dass Ystari mit Caylus unangefochten den DSP 2006 gewinnen konnte und nicht nur das, erstmals betrat der Verlag die sehr große Spielebühne und initiierte eine Fülle von - wenn man so will - Nachahmerprodukten, die dieses Grundprinzip wiederaufnahmen, z.B. Die Säulen der Erde (bedauerlicherweise DSP 2007-Sieger), allein in diesem Spielejahrgang streiten sich u.a. Cuba, Agricola und Stone Age um die Strategiespiel-Krone.
Nach weiteren Achtungserfolgen mit Mykerinos und vor allem Yspahan in 2006 - in 2007 erschien Caylus Magna Carta - halten wir mit Metropolys ein weiteres Werk von Ystari in der Hand, als dessen Autor sich der Yspahan-Erfinder Sébastien Pauchon zeichnet.
Und dann das, man reibt sich verwundert die Augen, Metropolys, kein Mehrheitenspiel à la Ys oder Yspahan im engeren Sinne, die Altersempfehlung ab acht Jahren, keine Würfelchen, eine Siegpunktleiste sucht der "Experte" vergebens, kann dies gut gehen? Es kann und nicht nur das. Worum geht es?
Zwei bis vier SpielerInnen streiten um die besten Bauplätze in Metropolys, einer Stadt mit fünf Stadtteilen, die wiederum in zehn bzw. 15 Viertel (Stadtmitte) aufgeteilt sind. Die Viertel sind hierbei - weit weniger gewöhnungsbedürftig, als dies in manchen Foren diskutiert wird - farbig markiert in - wer hätte das gedacht - Wohnquartiere, Gewerbegebiete, Parks, Verwaltungsgebiete und - in rot gehalten - Einkaufszentren. Jeder Bauplatz-Bieter hat 13 Gebäude (Türme in drei Höhen aus Holz, versehen mit den Zahlen 1 bis 13), die, wenn es jemand schafft sie komplett zu verbauen, das Ende des Spiels markieren.
Das Bieten folgt einem denkbar einfachen Prinzip: Reihum muss ein williger Bieter ein Gebäude mit einer höheren Zahl in ein leeres Viertel stellen, das dem bisherigen Höchstgebot benachbart ist. Durch Flussabschnitte getrennte Stadtteile können nur über Brücken passiert werden. Das Gebäude des Höchstbietenden wird umgedreht und steht dem Spieler bis zum Ende nicht mehr zur Verfügung, markiert aber auch seinen Spiel(miss)erfolg.
Dieser spiegelt sich bereits vor Spielende in den begeisterten Augen der Baulöwen wieder, Siegpunkte? Ja, die gibt es. Zunächst für zwei zu Beginn geloste - bis zum Spielende geheime - Karten: Zwei je selbst besetztem Viertel, vier bis sieben für einen bestimmten Auftrag. Dann für ergatterte Plättchen, die zu Beginn zufällig auf die Viertel verteilt werden: Je neun "schmuckes Stadtviertel" +3 SP, "U-Bahn" +1 SP und "archäologische Stätten" (!) -1 SP. Hat man das Glück die meisten U.Bahn-Plättchen ergattert zu haben, winken zusätzliche drei SP, hat man das Pech, den Bau zu sehr durch den Fund innerstädtischer prähistorischer Fundstellen behindert zu haben, zwei Maluspunkte. Das höchste Gebäude innerhalb eines Stadtteils wird mit satten fünf Punkten prämiert.
Schwächen? Natürlich ist der Einfluss auf das Spielgeschehen in einer größeren Runde geringer. Auch bewirken die genau je neun zu legenden SP-Plättchen, dass z.B ein Karteninhaber nur einmal in den Genuss des "schmucken Stadtviertels" kommt. Die Grafik ist funktionell und das Cover - Geschmackssache.
Déja-vu-Erlebnisse, auch dies, der Autor weist selbst auf das Setzprinzip von Goa - 2004 nur durch St. Petersburg und San Juan bezwungen - hin. Auch das Prinzip des einmaligen Einsetzens der Steine ist nicht neu, z.B. in Ra - 1999, 2. - Drunter und Drüber wurde bereits genannt. Und auf der Haben-Seite?
Einfach, schnell, interaktiv - in netten Spielrunden zu viert üben die drei anderen selbstverständlich eine "Beraterfunktion" vergleichbar der zu "Drunter und drüber" aus. Diese Attribute treffen nicht nur auf dieses Werk zu, sondern auch auf die Spiele, die es zuletzt geschafft haben, einen (strategischen) Spielreiz mit einem einfachen Zugang zu verbinden und so gleichzeitig den DSP und den SdJ-Preis zu gewinnen: Carcassonne in 2001, El Grande in 1994 und der Klassiker SvC in 1995! Wenngleich die Konkurrenz beim DSP heuer zu groß sein dürfte, wäre Ystari mit dem SdJ ein kommerzieller Erfolg gewiss zu wünschen.
Metropolys von Sébastien Pauchon
F 2008 - Ystari Games
2-4 SpielerInnen ab 8 J., 30-60 min
Wertung: 5
Bruno